Focus Titelstory – Tipps zum Abnehmen
Kämpfer gegen Kilos titelt der Focus
Als Einstieg des Focus-Top-Themas wird eine sehr wenig aufbauende, aber wissenschaftlich fundierte Erkenntnis von Hans Hauner (Ernährungsmediziner an der Technischen Universität München) ausgesprochen: "85 Prozent aller Abnehmversuche scheitern." Und dann weiter: "66 Prozent aller Männer und 51 Prozent der Frauen sind übergewichtig." Da stellt sich ja schon fast die Frage, warum eigentlich überhaupt den Versuch unternehmen Gewicht zu verlieren, wenn schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung gerade mal mickrige 15 % Erfolgschancen prognostiziert?
Zum Glück werden wir dann aber zeitnah von Franka Potente ("Lola rennt") abgeholt, die uns offenbart, dass man für einen Film schon mal 8 Kilos in 4 Wochen abnehmen muss. Ihr "Geheimrezept" hierfür lautet, einen Personaltrainer für schlappe 170 € die Stunde zu engagieren. Mal kurz hochgerechnet, bei 1,5h Training pro Tag wären das in einem Monat schlappe 7.650 € ! Schön, wer sich das leisten kann, aber wer kann das schon?
Frau Potente berichtet dann auch darüber, dass Sie gerne mal versucht ihren Personaltrainer zu umgehen, weil wirklich Spaß macht ein Training nach einem harten Arbeitsalltag nun wirklich nicht. Allerdings räumt Sie ein, dass wenn er sie dennoch zum Training bewegen konnte, alle Müdigkeit verschwand und sie letztlich froh war.
Und genau hier liegt doch der Knackpunkt der ganzen Abnehm-Sache: Disziplin und Durchhaltevermögen. Hauners Leitsatz im Artikel ("Hauptsache, man reduziert die Kalorien und vermeidet Extreme") klingt zwar einfach und eingängig, aber wie umsetzen, wenn man keinen Personaltrainer bezahlen kann, kein Magenband möchte und es einfach nicht schafft alleine durchzuhalten?
Im Focus-Artikel wird vor allem das Modewort E-Health zur Beantwortung dieser Frage aufgerufen. Es wird empfohlen, so genannte Online-Diät-Portale wie z.B. www.hausmed.de zu nutzen. Hier bekommt man nach Nennung der wichtigsten Daten einen Diätplan zugeordnet, den man befolgen kann. Eine andere Methode, die wirklich sehr interessant ist - aber ebenfalls kaum bezahlbar - ist das minimalinvasive Einsetzen eines Magenschrittmachers ("Ärzte am Klinikum Schwabach"). Dieser misst den Mageninhalt und erlaubt maximale Mahlzeitlängen von 20min. Wer zu lange isst, bekommt einen nicht spürbaren elektrischen Impuls auf seinen Vagusnerv im Magen, der wiederum ein starkes Sättigungsgefühl auslöst. Klingt genial, oder? Eine Patienten bezeichnet das Gefühl nach der Vagusstimulation wie folgt: "Ein Plätzchen schaff ich dann noch, aber mehr nicht." Vielleicht ist das die Zukunft!
Fazit:
Bis auf die Methode des Magenschrittmachers, liefert die Focus-Top-Story keine bahnbrechenden Neuerkenntnisse, noch besonders hilfreiche Tipps. Dass man mit einem Personaltrainer für 170 € pro Stunde leichter gegen den inneren Schweinehund ankommt, leuchtet ein. Auch dass Operationen eine Option sein können, wenn auch keine gute! Aber was bedeutet das für uns "Normalos" im Alltag? Die Betonung des E-Health als Einstieg, um sich mit dem Thema "gesund abnehmen" näher zu beschäftigen und Gleichgesinnte zu finden, macht durchaus Sinn - der Ratschlag ist m.E. zwar nicht neu, aber zumindest hilfreich. Etwas kontrovers erscheint allerdings die wissenschaftliche Benennung, dass 85% der Abnehmversuche scheitern im Kontrast zur indirekten Suggestion, dass Abnehmen gar nicht so schwer ist. Das passt nicht ganz zusammen. Insgesamt lässt sich die Story aber gut lesen und hat es immerhin geschafft, den Verfasser dieses Beitrags dazu anzuregen, zum 01.01.2012 einen weiteren Abnehmversuch (-5 kg) unter zuhilfenahme von hausmed.de zu starten. Falls es geklappt hat, schreibe ich hier nochmal einen Nachtrag im neuen Jahr!